Experimentierfreudig zeigte sich der Bamberger Komponist Horst Lohse, der drei Momentaufnahmen seiner im Entstehen begriffenen Märchenoper "Sabelita" (Libretto: Michael Herrschel) vorstellte.
Als allegorische Figuren und Spiegelfläche der eigentlichen Märchenhandlung treten da auch "Regie" und "Poesie" miteinander in Wettstreit - und reflektieren so gängige Erzählformen wie Grenzen des Musiktheaters. Ein fein oszillierendes, farbenreiches und tiefenscharfes Geflecht aus Bläserstimmen, Violine und Percussion schmeichelt stets den Einzelstimmen - und misstraut zugleich der Tragweite von fest gezurrten Melodielinien und tonalen Schablonen.[...] (Nürnberger Nachrichten)

Horst Lohse ließ sich auf das Wagnis ein, Hieronymus Boschs Bilderzyklus „Die sieben Todsüden“ in Charakterstücke umzusetzen. Es blieb der Phantasie überlassen, wie weit diese Übertragung vom Bildlichen ins Musikalische mitvollzogen werden konnte: Jedoch waren es unabhängig vom programmatischen Bezug in sich konsequent und klanglich ausgereifte Miniaturen. (Bonner Rundschau)

Eindrucksvoll auch Horst Lohses „Die sieben Todsünden - nach Hieronymus Bosch“, ein Werk, das menschliche Schwächen musikalisch thematisiert, Zorn, Vergnügungssucht, ja sogar Mißgunst und Stolz in genialischer Weise zum Klingen bringt. (Rhein-Zeitung)

Zum Jubiläum hatte das Orchester bei dem in Bamberg lebenden Komponisten Horst Lohse (mit der Aufführung seiner „Cantos sinfónicos" hatte der LGV im vergangenen Sommer in Nürnberg Aufsehen erregt) eigens ein Werk bestellt. Die etwa 21minütige „Bamberg Symphony“ ist denn auch ganz auf diesen Anlaß hin ausgerichtet — und ist zugleich doch ein Werk geworden, das es verdiente, auch andernorts und von anderen Orchestern gespielt zu werden. Es ist ein Stück von großer (und durchgehaltener) Intensität, übrigens auch groß besetzt. Trotzdem bleibt es selbst an den „dicken" Stellen durchhörbar, umfaßt überdies auch sehr luzide Partien. Überhaupt ist es ein Stück geworden, das, alles andere als einfach, voll von kontrapunktischen und anderen Künsten, doch auf Anhieb gut zu verfolgen ist. Die Symphonie ist viersätzig: ein Allegro (in rudimentärer Sonatenform) und ein Adagio werden umrahmt von einem Prolog und einem Epilog, die an den Beginn der „Bamberger" und das jetzt Erreichte erinnern. Nicht nur beginnt und endet das Werk mit dem Ton B — der Name Bambergs ist zu Beginn des Adagios auch ganz in den (teils aus Umdeutung in die italienischen Tonsilben gewonnenen) Tönen versteckt. Lohse suchte bewußt die Auseinandersetzung mit der Tradition der Symphonie — bewußt oder unbewußt knüpfte er dabei am Beispiel Mahlers an: in der Art der Instrumentation wie mancher Themenbehandlung, vor allem aber im Aufbau verführerisch schöner melodischer Partien, im „schönen Schein", der doch immer wieder entlarvt zerstört wird. — aber so, daß aus diesen Auflösungstendenzen auch immer wieder ein eigenständig Neues wächst. Melodisches wandelt sich, fast amöbenhaft, in Klangflächen, in Akkordisch - Statisches, wird insistierend — bis zur Bekräftigung des Epilogs. (Nürnberger Zeitung)

Der 1943 im oberfränkischen Kulmbach geborene Komponist spielt in seiner „Bamberg Symphony“ mit einigen Motiven auf die Orchestergeschichte an, hat jedoch im übrigen ein Werk geschaffen, das auch rein musikalisch zu interessieren vermag. In den beiden Ecksätzen „Prologo“ und ..Epilogo“ beeindruckt die kräftig zupackende Art, in der Lohse mit seinem Klangmaterial umgeht; der zweite Satz, ein Allegro non troppo vivo, wird geprägt von kräftigen rhythmischen Impulsen, während in einem ausdrucksstarken Adagio mit kunstvollen polytonalen Schichtungen der Komponist sich als ein klangbewußter Musiker ausweist. Solche Qualitäten vermögen, wie sich in der Uraufführung zeigte, auch ein Publikum zu beeindrucken, das nicht auf die neueste Musik eingeschworen ist. Unter ihrem neuen Chefdirigenten Horst Stein setzten sich die Bamberger Symphoniker, die in ihrer 40jährigen Geschichte schon so manchem jungen Komponisten den Weg in die Öffentlichkeit geebnet haben, engagiert für ihre Geburtstagsmusik ein. Ihr plastisches und nuancenreiches Spiel trug sicher viel zu dem Eindruck bei, den man hier gewann: daß es sich nämlich um eine Musik handelt, die dem Hörer nicht um jeden Preis entgegenkommt, die aber dennoch nachvollziehbar bleibt. Partitur und Stimmen dieser „Symphonie“ sollten künftig zum Standard-Tourneegepäck der „Bamberger“ gehören. (Das Orchester)

Horst Lohse war vertreten mit „A. Schmidts Monde — Métaphores lunaires" (1995/96). Als großer Verehrer der sprachlichen Kunst Arno Schmidts stellte der Komponist 16 Begriffe oder Halbsätze über das Mondlicht („Glimmender Mond", „Wohlig baumelte der Mond im wirbelnden Getriebe") aus seinen Texten zusammen und versah sie mit äußerst fantasiereichen wie sparsamen Klängen, 16 musikalische Kommentare mit jeweils eineinhalb Minuten Spielzeit. Die Hörer zeigten sich dankbar für das menschliche Moment in diesem kleinen Meisterwerk, es gab den ersten starken Beifall an diesem Abend. (Nordbayerischer Kurier Bayreuth)

Zu Beginn und am Ende dieses Porträtkonzerts wurde vom Ensemble der BeGNM „A. Schmidts Monde", Mondmetaphern für Kammerensemble, aufgeführt. Dazu ließ sich Lohse von Texten des Schriftstellers Arno Schmidt inspirieren, die den Mond zum Thema haben. Entstanden sind vor etwa vier Jahren 16 kunstvolle Miniaturen, die das Quintett unter des Komponisten Leitung mit großem Zugang dazu ausgesprochen packend aufführte. (Westdeutsche Zeitung)

Die durch die Verse des Lunatikers Arno Schmidt angeregte Szenenfolge lädt ein, Lohses einfühlsamen und phantasievollen musikalischen Assoziationen zu folgen - zumal sie in nahezu perfektem Zusammenspiel, mit der erforderlichen virtuosen Qualität in den solistischen Einlagen und doch mitternächtlicher Abgeklärtheit geboten wurde. (Fränkischer Tag Bamberg)

In „Die vier letzten Dinge" für Orgel (Solist: Christoph Maria Moosmann) und Orchester erschließt der Bamberger Komponist in beeindruckender Weise Klangräume und -farben. Das sich auf die vier eschatologischen Tonden Hieronymus Boschs (Tod, Gericht, Hölle und Paradies) beziehende Werk erfaßt die Bildvorlagen in der stimmungs- und verarbeitungsmäßig durchaus traditionellen Manier der Symphonischen Dichtung. So erklingt etwa das Dies-irae-Motiv machtvoll im Cantus planus, und die klanglich beglückend entworfene Endwelt des Paradieses findet sich durch die pastorale Weise der Piccoloflöte in bedenklich tonale Heiterkeit gerückt. (Fränkischer Tag, Bamberg)

„Hephaistos" für Schlagzeug solo, letztes Jahr in München uraufgeführt, handelt von dem griechischen Gott der Schmiede. Hier kommen ausschließlich metallene Perkussionsinstrumente zum Tragen, die abwechslungsreich die Arbeit und das Leben des Gottes verdeutlichen. Christian Roderburg verstand es ausgezeichnet, diese Vertonung mit viel Witz und Esprit zum Erklingen zu bringen. (Westdeutsche Zeitung)

Horst Lohses Fantasiestücke „AllerleiRauh" waren ein weiterer Höhepunkt dieses so reichhaltigen Programms. Angeregt wurde die Komposition durch sechs Radierungen aus dem Zyklus „Curriculum" des phantastischen Zeichners und Malers Caspar Walter Rauh. Lohses sublime Tonsprache korrespondiert mit den fein ziselierten Graphiken Rauhs in Form zarter, kaum wahrnehmbarer Übergänge vom Alltagsdasein in den fantastischen Raum. Auch die Ironie kommt hier ins Spiel, indem Silvia Belfiore feenhaft wirkende Saitenklänge mittels einer banalen Haarbürste im Klavierinneren erzeugt. „AllerleiRauh" bietet wirklich geschaute Fantasien in kunstvoller Schönheit. (Fränkischer Tag)

Die Ideen, die Lohse seinen Stücken zugrunde legt, sind sofort greifbar. Zumindest in Kombination mit dem Titel. Wie beispielsweise bei den sechs Fantasiestücken für Violine und Klavier aus dem Jahr 2000, die Lohse mit AllerleiRauh überschrieben hat. Sechs Radierungen Caspar Walter Rauhs (daher auch der Titel) dienten ihm dabei als Inspirationsquelle. Im Ergebnis stehen jedoch Werke, die auch ohne Einsicht der Grafiken ihre Wirkung entfalten. Denn Lohse komponiert nicht nur plastisch, sondern bleibt auch nahe am Sujet. Streitbare Vögel, so der Titel eines der sechs Stücke, ist eine Miniatur, in der Violine (Heinrich Rau) und Klavier (Gottfried Rüll) zwar in einen Dialog treten, aber dabei eine höchst eigenständige Linie fahren und die auch bis zum Ende durchhalten. (Nordbayerischer Kurier)

Lohses die „Geburt des Feuers" (2003), eine Hommage an den Maler Roberto Matta, beginnt mit einfachen Mitteln: einzeln angeschlagenen Tönen, während die Linke in den Korpus greift und die Hämmerchen von den Saiten fernhält. So wird ein eigenartiger, schimmernder Nachklang erzielt und Lohse erkundet quasi den Sub-Text der Töne, die im Frage- und Antwort-Passagen dialogisieren oder im Akkordischen zusammengeführt werden. Neben anschlagspezifischen Effekten nutzt der Komponist im eher gemäßigt modern anhebenden Zwischenspiel mit reichlich Arpeggien, Trillern und Läufen auch zumindest Erinnerungen an jene instrumentaltechnischen Rauschzustände, die das 19. Jahrhundert so begeisterten. Ortwin Stürmer stellte sich dem anspruchsvollen Notentext dieses knapp zehnminütigen Werks mit viel technischer Raffinesse und großer Klangphantasie. (Fränkischer Tag)